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Inhaltlich prägnant und sehr schön zu lesen
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Lektürehilfen sollen der Regel ihren eher einfachen Zweck erfüllen und der heißt: auf möglichst knappem Raum genau das zusammenzufassen, was der Lehrer in einer Arbeit hören möchte. Diesem ganz pragmatischen Interesse kommt Binnebergs Überblick über die Liebeslyrik vom Mittelalter bis in die Gegenwart auch entgegen. Er bietet aber noch erheblich mehr.
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Autor gut schreiben kann und zwar nicht nur verständlich und klar, sondern auch so, dass man sich als Schüler (und auch noch als Student) stilistisch einiges abgucken kann. Wer nicht recht weiß, wie er inhaltliche Aspekte mit formalen Beobachtungen sprachlich und aufsatzkompositorisch verbinden soll, findet hier viele gelungene Beispiele für überzeugende Formulierungen. Aber auch inhaltlich überzeugt das Buch und zwar in zweierlei Hinsicht:
Zum einen schreibt Binneberg hier eine, wenn auch knappe, so doch schlüssige und in sich kohärente Literaturgeschichte der deutschen Liebeslyrik. Sinnvollerweise beginnt er diese Geschichte in der Gegenwart und schreitet von da aus in die Vergangenheit bis ins Mittelalter voran. Angesichts dessen, dass die Lyrik ohnehin schon als etwas schwierigere Textsorte gilt, reduziert dieser Weg rückwärts durch die Geschichte den Eindruck des Fremden und Unverständlichen, den ältere Liebesgedichte auf den ersten Blick vermitteln.
Zum anderen setzt sich dieser Überblick über die Liebeslyrik aus einer Reihe von Einzelinterpretationen zusammen. Wer das Buch liest, kann dabei nebenbei etwas über die Technik der Gedichtinterpretation lernen. Sinnvoll zeigt der Autor dabei auch auf, welche Bedeutung bestimmte wiederkehrende Formmuster haben, das Tagelied zum Beispiel, dessen Varianten hier mehrfach interpretiert werden. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass formale Merkmale immer eine Bedeutung haben, die sich mal aus der Funktion im einzelnen Gedicht ergibt, manchmal aber auch das Wissen um literaturgeschichtliche Traditionen erfordert. Die Relevanz von Bezügen zwischen Text und Tradition ist ja einer der wichtigen Gründe dafür, dass man sich eine literaturgeschichtliche Überblicksdarstellung wie die von Binneberg unbedingt durchlesen sollte.
Zusammenfassend ein großes Lob für den Autor, der hier zeigt, wie viel Substanz und Gehalt man auf engem Raum unterbringen kann, und das sogar verständlich. Ein tolles Buch nicht nur für Schüler, sondern auch für die Unterrichtsvorbereitung und als Überblick und Einstieg und Überblick auch für Studierende.
Eine Rezension von Ralf Kellermann Stuttgart
vom 12. Mai 2009 |