| Das Drama des modernen Kindes: Hyperaktivität, Magersucht, Selbstverletzung
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Portrait pädagogischer Phänomene: eingrenzen und einmischen
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 10 REZENSENT) (#1 HALL OF FAME REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Das Drama des modernen Kindes: Hyperaktivität, Magersucht, Selbstverletzung (Gebundene Ausgabe) Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann hat mit seinem neuesten Buch ein sehr detailreiches Portrait der Kindheit im modernen Deutschland gezeichnet. Äußerst facettenreich schildert er diverse Störungen und Fehlentwicklungen bei Kindern, die in den vergangenen Jahren seine Praxis besucht haben. Zudem bringt Bergmann zahlreiche persönliche Erfahrungen und Beobachtungen beim Umgang mit Kindern mit in dieses Portrait ein. Hierbei umrahmt der Autor zunächst die gegenwärtige Lage der Kinder und der Gesellschaft überhaupt. Die Lebensbedingungen der Eltern finden hierbei ebenso Berücksichtigung wie auch die Ausgestaltung der erzieherischen Institutionen und ihrer pädagogischen Mitarbeiter/-innen. In den drei großen Kapiteln über Essstörungen, Hyperaktivität und Gewalt (insbesondere Selbstverletzung) bei Kindern und Jugendlichen vermag der Autor die Feinheiten in den (Alltags-)Lebensgeschichten auszumalen. Hierbei werden die Licht- und Schattenseiten einer modernen Kindheit überaus deutlich. Zahlreiche Erläuterungen und Erklärungen von Wolfgang Bergmann münden in die Erkenntnis, dass Kindern wieder mehr Grenzen, Eltern mehr Kompetenz und unserer Gesellschaft mehr Einmischung und Gestaltungskraft zugemutet werden sollten. Hierbei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf eher psychologischen als pädagogisch oder politisch ausgerichteten Erkenntnissen. Die Bandbreite der Ausführungen des Kinderpsychologen zeugen von grundlegendem Wissen über die medialen, umweltbezogenen, häuslichen, biographischen und letzten Endes gesamtgesellschaftlichen Bedingungsfaktoren zur Aufführung des „Dramas einer modernen Kindheit". Leider sind die Ausführungen teils sehr ins Detail gehend und zum anderen fehlt stellenweise eine konkretere Strukturierung. Hier wäre eine sorgfältigere Kapiteleinteilung mit weniger Fall- und Szenenbeschreibungen - auch hinsichtlich der Leserlichkeit - eine wesentliche Bereicherung gewesen. An Stelle dieser vielen Fallgeschichten hätten konkretere Vorschläge zur Vermeidung von Fehlentwicklungen und mehr Hinweise für wirkungsvolle, realitätsbezogene und alltagstaugliche Interventionen im erzieherischen Alltag bei Kindern das Buch hervorragend abgerundet. Dieses aufgezeigte Bild des modernen Kindes könnte mit mehr Tiefenschärfe gezeichnet sein und sollte im Zeitalter der digitalen Multioptionen vielfältigere Möglichkeiten im Blick haben. Wenn alle Beteiligten an diesen der jeweiligen Wirklichkeit angepassten Bildern weiter arbeiten, dann kann ein buntes Werk entstehen, welches neben den Unzulänglichkeiten ebenso auch Potentiale einbezieht. Wenn wir nach dieser vorgelegten Problempalette zu mehr Lösungsschritten hingelangen, dann ist dieses Buch ein guter Anfang; ansonsten nimmt das Drama wohl einen weniger erfreulichen Verlauf. Möge „das Drama des modernen Kindes" mit dem „Prinzip Hoffnung der modernen Menschheit" eine hilfreiche Fortsetzung finden...
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 4. Februar 2004 |
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